Heute erzähle ich dir eine Geschichte. Ein Mann versuchte Griechenland auf ein Blatt Papier zu bringen. Dem Festland schenkte er dicke schwarze Umrisslinien, Chalkidiky spreizt seine drei Finger in die Ägäis, Athen ist ein dicker fetter Punkt, eine dünne blaue Wasserlinie trennt den Peloponnes und bringt ihm Eigenständigkeit als große Insel. Buntstifte bringen Farbe in die weißschwarze Langeweile. Grün und Braun bilden Täler und Berge, dunkles Blau das Meer in dem ein paar einsame Landpatzen den rechten Bildrand zierten. Seine Arbeit ermüdete ihn sehr. Sein Sofa lud ihn zu sich ein. Er nahm die Einladung dankend an.
Der fünfjährige Sohn wollte seinen Vater im Arbeitszimmer
besuchen. Er entdeckte das Bild, das ihm unvollendet erschien. Seine kindliche
Fantasie und der sorglose Elan unterstützten ihn im kreativen Schaffen. Kreise,
Punkte, Hörnchen in unterschiedlicher Größe, dicht gedrängt oder in loser
Schütte mit einem dicken Riegel als Abschluss im unteren Bildrand. Das
Kunstwerk war vollbracht und der kleine Mann fühlte sich zufrieden.
Der Vater kehrte vom Mittagsschlaf zurück sieht sich sein
Werk an, rauft sich die Haare in Fassungslosigkeit konnte und wollte am
Geschehenen nichts mehr ändern. Es blieb dieses Punktewerk was es war: Die
Kykladen – ein perfektes Sammelsurium im Blau des Meeres entstanden in der
kindlichen Unordnung.

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