Montag, 21. September 2015

Sikinos

Eine große Wolke schwebt über der Insel Sikinos und trübt den Sonnenaufgang. Die Sonne setzt sich durch als sie wieder den Hügel erklommen hat. Heute ist die Ruhe durch Bauarbeiten gestört aber nicht lästig. Ich höre Hämmern auf Stein. Ich höre eine Mischmaschine. Ich höre einen Bohrer. Die heutigen Temperaturen für Bauarbeiten und Restaurierungen sind perfekt. Die Sonne verschiebt die graue Wolke auf den Berg zur Chroa. 


Ich möchte noch einmal auf den Strand Agios Giorgios um ein paar Steine zur Erinnerung mitzunehmen. Der Koffer ist viel leichter geworden seit den vielen Tagen meiner Reise. Viele Bekleidungsstücke sind entsorgt, das Duschgel und die Bodylotion fast aufgebraucht. Ich habe 20kg-Freigepäck und die werden voll genutzt, auch mit Steinen.

Am Beach vertreibe ich mir die Zeit mit Lesen „Auf Freiheit zugeschnitten; Emilie Flöge Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts“. Mein drittes Buch in diesem Urlaub. Mein Lebensmensch und Reisebegleiter Consul Roberto baut aus Steinen eine Burg und erfreut sich über jeden erbauten Turm.
Die graue Wolke hat im Streit mit der Sonne um die Vorherrschaft des Seins gewonnen. Anziehen und in die Chora fahren mit dem Moped auf einen Café Frappé. Ich kann den Regen riechen. Meine Nase hat mich nicht getäuscht. Tropfen fallen vom Himmel. „Bitte nicht zum Schütten anfangen, am Moped und auf diesen Straßen, ohne Helm.“ Ich klammere mich an Robert und er bringt mich sicher zu einem kleinen Restaurant an der Hauptstraße bei der Chora. 1001 Tropfen, das dürfte schon alles gewesen sein, dafür ist der Wind stärker geworden.

Das Moped wird nicht mehr gebraucht. Ich sitze am Balkon. Die Wellen kommen laut und in voller Aufregung in den Hafen gepoltert. Ich denke leise an morgen. „Wind, Wellen, Fähre, Verspätungen. Fort, fort, fort ihr bösen Gedanken. Schau ma amal wie es morgen wird.“

Die einzige Tankstelle auf dieser Insel ist ein Selbstbedienungsautomat. Diese Dinger sind immer eine Herausforderung. Das Wichtigste ist es sich zu konzentrieren, den Text zu lesen und ihn auch zu befolgen. Ich habe nicht sofort verstanden was genau bei manchen Eingaben gemeint ist aber nach sechs Versuchen hat der siebente Anlauf funktioniert. Kein Sprit für das Moped ist doch ein schwerwiegendes Problem. (Ehrlich: der Tankstellenautomatenselbstbedienungskampf war gestern.)

Ein Katamaran will in die Bucht von Alopronia fahren (nicht segeln). Ein kleines Motorboot kommt zur Hilfe und gibt Anweisungen. Die Mannschaft am Kat sieht etwas ratlos und zögerlich auf die Hafeneinfahrt. Der Lotse hilft und der Katamaran schafft das Anlegemanöver bravourös. Ich kann die Szene gut mit meiner Kamera beobachten, Dank dem Zoom. Es scheint mir jeder an Bord weiß seine Aufgaben und befolgt die Anweisungen des Skippers. Ich habe mich sehr gefreut für das Boot, das nun in Sicherheit ist. Die hohen Wellen waren für das Schiff sicherlich nicht lustig. Segeln ist bei so viel Wind mehr Gefahr als geglaubt, wenn es sich jemand überhaupt antut.


15.45 Uhr: Die Sonne kommt, es wird heller, der Wind gleich stark. Es kümmert mich das Wetter nie so viel wie hier auf den Kykladen. 

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