Mittwoch, 23. September 2015

Thira

Starker Regen, ein Geräusch wie in der Heimat, lässt mich munter werden. Gestern Nacht hat es schon einen Regenschwall von den Wolken gegeben. Ich kann mich nicht erinnern jemals Regen auf den Kykladen erlebt zu haben. Die Restaurants in Fira, am Krater verteilt gebaut, sind ausschließlich mit Terrassen und Sonnenplanen gebaut. Ein „Indoor“ gibt es ganz selten.
Lesen im Bett und warten auf Sonne. Sie kommt, trocknet die Böden auf und spendet Wärme.

Ein vierrädriges Motorbike soll lustig sein. Im Design? Für den Fahrer? Für die Beifahrerin?


Akrotiri ist das Ziel. Diese Ausgrabung nennt sich auch das Pompeii der Ägäis. Der Unterschied ist, dass keine versteinerten Leichen gefunden worden sind. Akrotiri wird datiert mit 1.500 v.Chr. Die Stadt Akrotiri wurde ein Jahr vor dem großen Vulkanausbruch verlassen. Es scheint mir, dass jemand etwas geahnt hat, berechnet hat, gefühlt hat oder erraten hat. Die Ausgrabungsstätte ist überdacht. Ein Weg mit Holzlatten weist den Besuchern den Weg und lässt sie teilweise auf die Ausgrabung hinterschauen. Die Neugier lässt Robert in die tiefste Tiefe sehen. Er konnte nichts sehen außer Sand und seine Sonnenbrille, die gerade im freien Fall von der Kappe hinab gleitet und ins Ungewisse fällt.
 
Ich gehe zu einer Aufseherin und frage ob das Bergen der Sonnenbrille meines Freundes ein Problem darstellen würde. Sie gibt einem Kollegen eine Weisung und zu mir sagt sie ich solle ihm nachgehen. Ich wackle dem Herren im blauen T-Shirt nach zum Ausgang. Wahrscheinlich werde ich jetzt hinausgeworfen. Er spricht wieder mit einer anderen Aufseherin, die im anscheinend eine Telefondurchwahl sagt. Es folgt ein Telefonat. Im Anschluss daran eine Bitte an mich, ich soll hier warten. Ich blättere einstweilen im Gästebuch und suche nach deutschen Eintragungen. Im linken Augenwinkel sehe ich einen Mann flott gehen. Er ist sandfarben angezogen, ein löchriges T-Shirt und Bauarbeiterschuhe. Ich sehe rasch zur Aufseherin, sie deutet mir ich solle dem Sandmännchen folgen. Ich trabe rasch hinter dem Mann her. Er ist wie ein Wiesel, sehr schnell. Er bahnt sich in Windeseile einen Weg durch eine amerikanische Touristengruppe. Ich hinterher, gleich habe ich ihn. „Sorry. Sorry. Sorry.“ Die Amis lassen mich durch, bei dem Akzent gehöre ich sicherlich nicht zu ihnen. Ich erwische mit meinem Finger ein Lock im T-Shirt vom Sandmann und ziehe an. Er dreht sich um. Ich lächle ihm mitten ins Gesicht und deute mit dem Zeigefinger auf mich. Er: „Ahhhh.“ Ich gehe zum Tatort, zeige ins Loch, er nickt. Robert hat sich den tiefsten Graben ausgesucht. Er lächelt und steigt per Leiter in die Tiefe. Er kommt an, nimmt die Sonnenbrille, steckt sie in seinen Ausschnitt und kommt wieder hoch. Ich strahle über das ganze Gesicht. Da ist sie wieder. So viel Aufregung hat mich vergessen lassen ein Foto zu schießen. Robert habe ich verloren. 

Ich gehe durch die Ausgrabungsstätte alleine und genieße die sehr alten Steine, Mauern, Töpfe, Krüge, Wände, … Ich finde Robert wieder und er ist völlig überrascht, was alles während unserer Trennung passiert ist und setzt sich die Sonnenbrille auf. Ich mache eine Sonnenbrillen-Notiz im Gästebuch und bedanke mich nochmals recht herzlich.
In Akrotiri wird das Problem gelöst. Wäre diese Hilfsaktion in Carnuntum auch so problemlos gelaufen? Ich habe keine Ahnung, vielleicht unterschätze ich Österreich und dessen Flexibilität.


Einen neuen Strand entdeckt namens Leros-Beach. Noch nie gehört, noch nie gesehen, ich bin kein Neuling in Thira, gut gefallen.



Einkaufsbummel in Kamari.

Letztes Abendessen in Fira. Trotz Touristen-Buden wohin das Auge reicht ein schönes Lokal gefunden und eine Kleinigkeit gegessen.
Der letzte Einkauf Oliven-Schuhe, erstens weil ich die Farbe so gerne mag und zweitens Oliven liebe.

Morgen muss ich nach Hause aber erst um 15.35 Uhr. Ein Frühstück in der Stadt, ein letzter Blick über den Krater, die Sonne im Gesicht genießen, die Feuchte des Meeres noch einmal einatmen, der letzte Greek-Kaffee, der letzte Cafe Frappé, der letzte frische Orangensaft … meine lieben Kykladen ich komme wieder ganz 
sicher, denn ich liebe euch.

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