Sonntag, 13. September 2015

Amorgos

Rooms! Rooms! Rooms!

Ankunft mit der Fähre und der Kampf um den nächsten Gast für ein Zimmer kann beginnen. Vor vielen Jahren zupfte man an meinem T-Shirt, verstellte mir den Weg, wollte mir meinen Koffer abnehmen und hielt mir Fotos vor die Nase vergilbt und abgegriffen. Jeder behauptete er hätte das schönere Zimmer, den besten Ausblick oder sei direkt im Zentrum der Chora. Manches Mal fürchtete ich  mich schon vor dem Aussteigen und der Bedrängnis.
Heute stehen die Zimmeranbieter vor einem imaginären Schranken und bei Ihren Autos mit Werbeaufschrift und warten geduldig, dass der Tourist sie anspricht. Die Zeiten ändern sich. 

Amorgos

Amorgos eine weitere Insel der Ostkykladen ist ein Bergrücken von 28,5 km Länge und einer Breite von 2,5-10 km. Es gibt steile Küsten und wenig Strände. Mit seinen 120 km² und den 1.500 Einwohnern ist sehr groß. Am Bergkamm entlang geht eine Straße und dort oben pfeift der Wind. Es scheint mir über Amorgos drehen sich die Wolken im Kreis und spielen fangen.
Die Chora krönte sich einst mit einer Burg aus venezianischer Herrschaftszeit. Heute lässt sich das Kastro nur mehr erahnen, das auf dem knorpeligen Felszahl die einstige Macht und den Einfluss mimte.

Ganz in der Nähe der Chora klebt das Kloster Chosowiotissa in unvergleichlicher Lage an einer rostroten überhängenden Steilwand. Die leuchtend weiße Farbe des Mauernkomplexes ist bis an den Steinhang hinaus gemalt. Wie anklammernde Finger scheinen die Pinselstriche. Die Gründer des Klosters waren Mönche, die Anfang des 9. Jhdt. aus Palästina nach Amorgos kamen, im 11. Jhdt. wurde das Kloster von Piraten zerstört und wieder aufgebaut als starke Festung. Es reicht meine Fantasie nicht aus, wie zu dieser Zeit eine derartige architektonische Hochleistung vollbracht werden konnte. Sagen erzählen warum genau an dieser unwirtlichen Stelle ein Kloster erbaut werden sollte. Sind Fakten vom Wind vertragen helfen einfallsreiche mythische Geschichten.


2 Kommentare:

  1. Vielleicht dürfen Sie nicht mehr auf die Touristen zugehen ?

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    1. Dürfen sie auch nicht. Das hat sicherlich ein EU-Touristen-Richtlinien-Ausschluss beschlossen.

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