Sonntag, 6. September 2015

Naxos / Schinousa

Die Frucht aus dem Paradies

Gemälde in Museen mit Darstellungen des Paradieses zeigen Adam und Eva, eine Schlage und den berühmten Apfel vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Es wird gelehrt, dass es strikt verboten war von dieser Frucht zu essen. Dem Apfel wird eine zu große Bedeutung eingeräumt.

Auf Naxos sind die Früchte reif, die dich direkt in den Himmel oder aus dem Paradies fliegen lassen. Das ist reine Ansichtssache.
Ich stehe vor einem großen Baum. Die Äste streckt er weit von sich und schenkt mir mit seiner Umarmung Schatten und Geborgenheit. Welche Frucht wird mich glücklich machen? Ich suche nach einer dicken, fetten, grüngelblichen Kugel, die schwer vom Ast hängt. Ich habe eine entdeckt. Meine Finger tasten sanft und drücken sie liebevoll. Meine Fingerspitzen melden mir Reife. Ich reiße die Frucht mit Vorsicht ab, auf dem Ast bleiben ein Hautfetzen und ein milchig klebriger Tropfen zurück. Meine Augen sind mit der Wahl zufrieden. Ich öffne den Mund und freudig kommt der Speichelfluss. Meine Zähe beißen durch die Haut, ich kaue und zermahle viele kleine Kerne und meine Ohren hören einen vertrauten Sound. 

In meinem Mund macht sich liebliche Süße breit. Nicht vom Zucker. Besser. Nicht wie Schokolade. Besser. Nicht wie Vanilleeis. Besser. 

Ich bin mir bei meinem Gaumenerlebnissen immer wieder sicher, die verbotene Frucht aus dem Paradies war eine Feige. Sie hat die Verführungskraft die Sinne und die Vernunft auszuschalten und sich der Lust hinzugeben. Adam und Eva bekleiden sich auch mit einem Feigenblatt, warum sollten sie dann einen Apfel essen.



Wo ist der Wind geblieben?

Das Fährboot, der Inselwechsel, die Kykladen immer und vor zwanzig Jahren ein Adrenalinkick. Ein- und Aussteigen ein heilloses Durcheinander. Es war laut, stickig, heiß und der Streit um die schönsten Plätze an Deck darf nicht in Vergessenheit geraten.
Zeit, Raum und Fähren ändern sich. Es gibt geordnetes Ein- und Aussteigen. Das Heck ist Überdacht mit einem milchigen Kunststoff, das die Luft zur Unerträglichkeit erhitzt. Die Reling wurde mit einem drei Meter Hohen Plexiglas verbaut, die jeden Windzug verhindert. Warum? Gibt es so viele Selbstmörder?
Ist vor einer Klotür ein luftdurchflutetes Plätzchen zu finden, steht dort ein qualmendes Menschlein und verpestet die ersehnte Luft.
Die große und positive Veränderung der Boote ist der Innenraum. Er ist leicht gekühlt, sauber, bequem, Getränke und Snacks in guter Qualität frisch zubereitet.
Der Preis für eine Überfahrt hat sich kaum geändert. Naxos – Schinousa – Dauer 1 Stunde 20 Minuten – 6,50 Euro.


Was zu viel ist, ist zu viel

Auf Schinousa (Skinussa ausgesprochen) wartet das Auto von Grispos Villas. Eine sehr schlechte Straße führt zu einem sehr schönen Quartier. Ich betrete das, über booking.com, angemietete Zimmer eine zuckerlrosane *) Farbe umfüllt mich. Die Wand und der Vorhang in Schweinchenrosa lassen das Weiß der Fliesen, das Bett, die Vase, das Bild und auch den Eiskasten das Rosa widerspiegeln. Ich warte auf meine rosaroten Träume meiner Siesta.


*) Duden: Zuckerlrosa - Gebrauch: österreichisch abwertend

 

2 Kommentare:

  1. Kommt vielleicht auf die Fähren-Gesellschaft an. Habe voriges Jahr (als ich auf meinen Grundstück auf Andros war) auch noch eher urtümliche gehabt. Bussale

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  2. Das mag stimmen. Ich war mit Blue Star Naxos unterweg (Thira - Naxos - Schinoussa). Ich werde auch noch den Express Skoplitis und später Hellenic Seaways erleben. Ich lasse mich überraschen. Bussilein

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