Freitag, 4. September 2015

Naxos

Weist was am meisten Zeit kostet auf den Kykladen? Heute wieder selbst erlebt: Es ist die Suche nach der Fähre. Ich weiß, ich weiß, das habe ich gestern schon erwähnt. Es soll kein Schnellboot sein, weil doch zu teuer? Es soll keine staatliche Fähre sein, weil ich keine Nachtfahrten möchte. Ich will nicht die Zeit totschlagen bis 01:10 Uhr und nicht um 02:30 Uhr ankommen. Zwei Stunden dauerte die perfekte Planung, wie viele Nächte wo und wann geht eine vernünftige Fähre weiter. Am Ende der Aufzeichnungen und Recherchen kam das dicke Ende. Der Fahrplanwechsel ist schon am 7.9. und die ausgewählten Tagesfähren werden zu Nachtfähren. Alles neu und noch einmal von Beginn an.
Mit Angst und Bauchweh wurde der Zettel mit den Wunschterminen und Wunschzeiten im Fähren-Ticket-Office abgegeben. Der Mann mit dichtem Bart hämmert in seine Tastatur, murmelt vor sich hin, druckt aus und sagt: „186,-- Euro“. Nein, es ist vollbracht. Ich halte die Tickets in der Hand, kontrolliere Datum und Uhrzeit, zahle und gehe. Aber was ist schon sicher. Sicher ist der Tod. Es ist noch immer spannend.

Am Nachmittag besuchte ich die zwei schlafenden Jünglingsstatuen. Einer von ihnen ruht im Schatten der Bäume und scheint ein verwunschener Prinz zu sein. Wachküssen war nicht möglich, ohne Gesicht keine Lippen und ohne Lippen kein Küssen. Der Paradiesgarten einer alten Griechin ließ auch mich im Schatten ruhen. Ein Stamperl Kitro gab mir Kraft um den zweiten Kouros zu suchen.

Ein Fußmarsch geschützt durch dichte hohe Bäume mit Musik des Blätterrauschens begleitet. Ja, es gibt auch dichte Bepflanzung auf den Kykladen wenn eine Quelle das Zauberelixier Wasser an die umliegende Erde verschenkt. Eine Abzweigung lenkte mich zu einem schlecht erhaltenen, ehemals beschilderten, sehr steinigen, kargen und von der erbarmungslosen Sonne beschienen Weg. 

Ich habe ihn gefunden, den Jüngling. Er wurde zurückgelassen schon vor 2500 Jahren, wie sein Bruder und alles nur wegen eines gebrochenen Beines. Damals waren die Bedingungen sehr hart und ohne Erbarmen.
Die Grillen sangen mir ins Ohr, dass die beiden eines Tages aufwachen werden um die Insel zu beherrschen. Viel Spass kann ich wünschen, denn seit den paar verschlafenen Jahren hat sich die Erde kaum weitergedreht.

2 Kommentare:

  1. Genau dieses macht das Reisen interessant und abenteuerlich; man weiß nicht genau wo und wann man ankommt. Bussale

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  2. Auf den Fähren werden die Inselnamen auf oft anders ausgesprochen, als ich sie ausspreche wie z.B. Schinoussa nicht mit SCH sondern Skinoussa. Bei den Durchsagen an Bord weiß ich nie so genau ob ich nun schon da bin oder nich.

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