Donnerstag, 17. September 2015

Paros / ehem. Hauptstadt Lefkes

Es gibt sie noch. Die Männer in ölfleckigen Overalls und abgegriffener Schirmkappe. Die Jungs, die ein mürrisches und ein bisschen grantiges „Γεια σου!“ oder „Καλημερα!“ brummen. Die ohne weitere Worte den Drehverschluss öffnen und etwas wie einen Pistolenlauf in die Öffnung stecken. Sie lassen die Flüssigkeit bis zum Anschlag fließen. Schraubverschluss wieder zudrehen. Sie kassieren wortlos und widmen sich dem Nächsten. Es gibt keinen Zweifel eine Tankstelle mit Bedienung dient der Kommunikation.
Ich erinnere mich noch gerne an die Zeit zurück, als ich zu meiner bevorzugten Tankstelle im zweiten Wiener Gemeindebezirk fuhr um, mein Auto zu versorgen. Bei Tibor, dem Besitzer der Tankstelle, gab es immer ein paar nette Worte, meine Hände blieben sauber und ich wurde wie eine Königin behandelt. Es ist schade, dass die heutigen Tankstellen zu Imbissbuden für Auto und Besitzer verkommen.
(Tibor habe ich bei meiner Reise nach Andalusien auf der Finca Los Gamos wieder getroffen.)

Auf Paros fehlt die nette Geste Wasser zu kredenzen. Obwohl Amorgos nur Regenauffangbecken hat und Wasser ein teures und wertvolles Gut ist. Das Trinkwasser wird per Boot gebracht. Das Angebot, wenn jemand einkehrt und zuvor einen Fußmarsch hinter sich hat (z.B. wie beim Kloster Chosowiotissa, dort wird das Wasser hinauf getragen oder einem Lokal bei Aegialis am Berg) bekommt zum Zeichen der Gastfreundschaft ein Glas Wasser serviert. Das kostbare Wasser war ein Geschenk des Hauses. Auf Paros wird diese Art der Gastfreundschaft nicht gelebt. Wenn Wasser bereitgestellt wird, auch nicht bestellt wurde, verrechnet wird es sicher. Unterschiedliche Zugänge der Gastfreundschaft auf den Inselschwestern Kykladen.


Der Tag beginnt spät. Die Raumkosmetikerin ist nur mehr zwei Zimmer entfernt und sie drängt uns wortlos den Tag endlich zu beginnen. Die Inselumrundung startet in Richtung Süden  am Miniflughafen vorbei nach Ageria. Am Fischerdorf vorbei bis nach Faragas. Dieser Ort ist kein Ort sondern eine Streusiedlung. Unattraktiv um einen Kaffee zu trinken. Nach Ageria zurückgefahren ist eine kleine Taverne am Meer leicht gefunden und ein Greek-Salat und Cafe Frappe bestellt. Optischer Kitsch und Klischee reichen sich die Hand zum Tanz. Die Weiterfahrt führt über Piso Livadi nach Lefkes. Das war die alte Hauptstadt (neu: Parikia) mit byzantinischen Wurzeln. Ein entzückender kleiner Ort mit verschlafenen Ecken und altbewährten Fotomotiven. Aus einem Shop ertönt ein Lied mit einer tiefen, hochgradig erotischen Stimme. Ein deutsches Lied. Die Sängerin Marlene Dietrich.
In einer Palette stecken Reihe an Reihe 1-Euro-Ringe. Ich suche mir einen aus. Ein Andenken. Ich gehe langsam die Stufen in das Geschäft hinauf und sehe mir die Schmuckstücke gut an und singe mit Marlene gemeinsam. „Where do you come from.“ „From Austria, Vienna.“ Dann war alles klar warum ich den Text kann und auch verstehe. Der Verkäufer liebt diese Stimme kann sie nur leider nicht verstehen. Ich sehe ein Messing-Herz an einem Lederband. Es winkt mir zu ich soll es doch einmal probieren, nur so. Ich bin meinem Herzen gefolgt und bin war gefangen. Meine Hände der Vernunft nehmen das Halsband wieder ab und legen es zurück. Ich zahle meinen Ring und „30%, auf alles.“ informiert mich der glatzköpfige Grieche. „Was gefällt ihnen und ich sage ihnen den besten Preis.“ „Das Herz auf dem Lederband würde mir gefallen. „39 Euro minus 30 % macht 27 Euro“.  „Danke. Nein. Ich habe schon zu viel von diesen Dingen.“ Ich will gehen. „23 Euro?“ „Vielen Dank, aber ich habe wirklich zu viele Ketten“ „20 Euro?“ Jetzt kann ich nicht mehr nein sagen.“ „O.K. Ich nehme das Herz.“ … „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt und das ist meine Welt und sonst gar nichts.“ … Das Herz wird eingepackt vor dem Lokal lege ich es doch an und streiche mit meiner Hand darüber. … „Vor der Kaserne vor dem großen Tor, steht eine Laterne und steht sie noch davor, dort wollen wir uns wieder sehen …“


 Beim Spaziergang durch die Stadt begleitet mich der Ohrwurm von Marlene Dietrich und die Fotomotive scheinen endlos zu sein. Jedes Haus, jede Blume, jede Katze, jedes Fenster, jede Tür, jede Stiege bis hin zur großen Kirche präsentieren sich wie Modelle. Das Καφενεῖον am Hauptplatz, gegenüber der Kirche, ladet mich ein, ein Platz zu nehmen auf einen Καφές Ελληνικός. Dieser Kaffee ist einfach voll und rund im Geschmack.
Die Runde führt weiter zum Lageri Beach. Dieser Strand ist mit einem kleinen Fußmarsch zu erreichen und lohnt sich. Sandstrand. Schatten unter den Wacholdersträuchern. Gegen Osten gerichtet heißt Sonnenuntergangsstimmung. Ein schöner Abschluss für diesen Tag. Ist ja doch eine schöne Insel, das Paros.





2 Kommentare:

  1. Schaut voll super aus. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube auf Paros war ich auch schon einmal. Bussale

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    1. Paros hat seine schönen Ecken, aber doch sehr unangenehm touristisch und teuer, besonders wenn da ich von den kleinen Ostkykladen gekommen bin.

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