Ich erinnere mich noch gerne
an die Zeit zurück, als ich zu meiner bevorzugten Tankstelle im zweiten Wiener
Gemeindebezirk fuhr um, mein Auto zu versorgen. Bei Tibor, dem Besitzer der
Tankstelle, gab es immer ein paar nette Worte, meine Hände blieben sauber und
ich wurde wie eine Königin behandelt. Es ist schade, dass die heutigen Tankstellen
zu Imbissbuden für Auto und Besitzer verkommen.
(Tibor habe ich bei meiner
Reise nach Andalusien auf der Finca Los Gamos wieder getroffen.)
Auf Paros fehlt die nette
Geste Wasser zu kredenzen. Obwohl Amorgos nur Regenauffangbecken hat und Wasser
ein teures und wertvolles Gut ist. Das Trinkwasser wird per Boot gebracht. Das
Angebot, wenn jemand einkehrt und zuvor einen Fußmarsch hinter sich hat (z.B.
wie beim Kloster Chosowiotissa, dort wird das Wasser hinauf getragen oder einem
Lokal bei Aegialis am Berg) bekommt zum Zeichen der Gastfreundschaft ein Glas
Wasser serviert. Das kostbare Wasser war ein Geschenk des Hauses. Auf Paros
wird diese Art der Gastfreundschaft nicht gelebt. Wenn Wasser bereitgestellt
wird, auch nicht bestellt wurde, verrechnet wird es sicher. Unterschiedliche Zugänge
der Gastfreundschaft auf den Inselschwestern Kykladen.
Der Tag beginnt spät. Die Raumkosmetikerin ist nur mehr zwei Zimmer entfernt und sie drängt uns wortlos den Tag endlich zu beginnen. Die Inselumrundung startet in Richtung Süden am Miniflughafen vorbei nach Ageria. Am Fischerdorf vorbei bis nach Faragas. Dieser Ort ist kein Ort sondern eine Streusiedlung. Unattraktiv um einen Kaffee zu trinken. Nach Ageria zurückgefahren ist eine kleine Taverne am Meer leicht gefunden und ein Greek-Salat und Cafe Frappe bestellt. Optischer Kitsch und Klischee reichen sich die Hand zum Tanz. Die Weiterfahrt führt über Piso Livadi nach Lefkes. Das war die alte Hauptstadt (neu: Parikia) mit byzantinischen Wurzeln. Ein entzückender kleiner Ort mit verschlafenen Ecken und altbewährten Fotomotiven. Aus einem Shop ertönt ein Lied mit einer tiefen, hochgradig erotischen Stimme. Ein deutsches Lied. Die Sängerin Marlene Dietrich.
In einer Palette stecken
Reihe an Reihe 1-Euro-Ringe. Ich suche mir einen aus. Ein Andenken. Ich gehe
langsam die Stufen in das Geschäft hinauf und sehe mir die Schmuckstücke gut an
und singe mit Marlene gemeinsam. „Where do you come from.“ „From Austria,
Vienna.“ Dann war alles klar warum ich den Text kann und auch verstehe. Der
Verkäufer liebt diese Stimme kann sie nur leider nicht verstehen. Ich sehe ein
Messing-Herz an einem Lederband. Es winkt mir zu ich soll es doch einmal
probieren, nur so. Ich bin meinem Herzen gefolgt und bin war gefangen. Meine
Hände der Vernunft nehmen das Halsband wieder ab und legen es zurück. Ich zahle
meinen Ring und „30%, auf alles.“ informiert mich der glatzköpfige Grieche.
„Was gefällt ihnen und ich sage ihnen den besten Preis.“ „Das Herz auf dem
Lederband würde mir gefallen. „39 Euro minus 30 % macht 27 Euro“. „Danke. Nein. Ich habe schon zu viel von
diesen Dingen.“ Ich will gehen. „23 Euro?“ „Vielen Dank, aber ich habe wirklich
zu viele Ketten“ „20 Euro?“ Jetzt kann ich nicht mehr nein sagen.“ „O.K. Ich
nehme das Herz.“ … „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt und das ist
meine Welt und sonst gar nichts.“ … Das Herz wird eingepackt vor dem Lokal lege
ich es doch an und streiche mit meiner Hand darüber. … „Vor der Kaserne vor dem
großen Tor, steht eine Laterne und steht sie noch davor, dort wollen wir uns
wieder sehen …“
Beim Spaziergang durch die
Stadt begleitet mich der Ohrwurm von Marlene Dietrich und die Fotomotive scheinen
endlos zu sein. Jedes Haus, jede Blume, jede Katze, jedes Fenster, jede Tür,
jede Stiege bis hin zur großen Kirche präsentieren sich wie Modelle. Das Καφενεῖον
am Hauptplatz, gegenüber der Kirche,
ladet mich ein, ein Platz zu nehmen auf einen Καφές Ελληνικός. Dieser Kaffee
ist einfach voll und rund im Geschmack.
Die Runde führt weiter zum
Lageri Beach. Dieser Strand ist mit einem kleinen Fußmarsch zu erreichen und
lohnt sich. Sandstrand. Schatten unter den Wacholdersträuchern. Gegen Osten
gerichtet heißt Sonnenuntergangsstimmung. Ein schöner Abschluss für diesen Tag.
Ist ja doch eine schöne Insel, das Paros.







Schaut voll super aus. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube auf Paros war ich auch schon einmal. Bussale
AntwortenLöschenParos hat seine schönen Ecken, aber doch sehr unangenehm touristisch und teuer, besonders wenn da ich von den kleinen Ostkykladen gekommen bin.
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