Samstag, 19. September 2015

Sikinos

In der Hektik des Zusammenpackens um den Bus um 11.00 Uhr zum Strand zu erreichen habe ich das wichtigste Gut im Eiskasten vergessen. Wasser. Ich sehe den Tod. Er winkt mir zu. Die wenige Minuten nutze ich noch um den Supermarkt zu besuchen und Wasser und zwei Pfirsiche zu besorgen

Der unklimatisierte Bus lässt beim Fahren die Türe offen. Mit dem Fahrer ist das Sprechen sicherlich verboten aber dem Chauffeur ist telefonieren erlaubt. Jeder Pilger auf der Straße wird aufgelesen und mitgenommen. Langsam und sehr bedächtig bringt er seine Gäste zum Agios Giorgios. 

Die Menschen drängeln zum Zahlen und verlassen rasch den Bus. Etwas später war mir klar, warum dieser Stress. Es war der Lauf um die besten Plätze der nur sechs Schirme. „Erster, ich habe es geschafft und die anderen sind mir wurscht.“ Die Schattensieger stellen ihren Rucksack oder eine Tasche, die Bekleidung und das Wasser unter den Schirm und legen sich in die erbarmungslose Sonne. Warum legen sich nicht die Taschen zusammen unter einen Schirm, dann hätte ich ein Schattenplätzchen, das ich so notwenig brauche. Es ist sehr heiß und windstill, ich liebe meine Haut und möchte sie nicht kaputt machen.

Ich versuche an der Felswand entlang zu klettern um eventuell eine kleine schattige Steinplatte zu finden und um auch nackt baden zu können. Nichts zu finden. Am Weg retour zerreiße ich meine Lieblingsurlaubshose. Der dünngewaschene Stoff konnte den Strapazen nicht mehr Stand halten können.

Nach zwei Stunden Sonnenbaden und viel Schwimmen habe ich beschlossen, der Bus soll mich wieder zurück bringen bzw. in der Chora will ich einen Greek-Salat essen. Die kleine Stadt bietet Häuser, kleine Kirchen, Katzenbabys, die Busstation, eine Schule und eine Taverne. Ich betrete das kleine Restaurant zur Sperrstunde. Auf Sikonos ist das kein Problem ich bekomme meinen Salat und ein Glas Wein.
Ein Mann hat mich auf der Hauptstraße aufgelesen und bringt mich zu Galini zurück. Während der fahrt erzählt er, dass er in Athen wohnt und nur nach Sikinos seiner Heimatinsel gekommen ist um morgen zur Wahl zu gehen. Gibt es keine Briefwahl? Oder fand er es eine gute Zeit seinen Vater zu besuchen.

In meinem Studio angekommen setzte ich mich auf die schattige Terrasse. Ich sehe  auf den kleinen Hafen und die schönen weißen Häuser auf dem Hang gegenüber. Die Sonne senkt sich hinter meinem Haus und Alopronia legt die Farben des Sonnenuntergangs an. Ein erschreckend lautes Brummen weckt die gesamte Aufmerksamkeit an sich. Eine Fähre der Zanteferries in leuchtendem Orange kommt. Die ruft: „brummmmmm Kundschaft, Obst, Gemüse, Ersatzteile, brummmmmm“. Der Chef vom Galini springt sofort in sein Auto. Der Bus rast die Straße hinab. Es ist der Sommer alt geworden ohne Gäste kein Verkaufen, was auch immer. Der Vermieter kommt zurück mit einer Touristin, die Fähre brummt zum Abschied und fährt weg. Ruhe ist wieder eingekehrt. Ich liebe dich, du Ruhe du. Ich sitze hier auf einem Aussichtsturm. Ich überblicke alles. Wer mit dem Moped fährt, was er geladen hat, ob der Bus pünktlich ist, wer zu Einkaufen geht. Ich bin die neue Hausmeisterin von Sikinos.
Sikinos hat einen großen Teil des Landes in Anbauterrassen (wie im Vietnam) angelegt. Es wird hier Wein angebaut. Das ist eine mühsame und aufwendige Arbeit. Fall sich ein Weinbauer wieder einmal bei uns über irgend etwas beschwert, zahle ich ihm ein Ticket nach Sikinos.




Katzenbabys meine Modelle:





 

2 Kommentare:

  1. Kein Schatten an der Stränden ist mir wohl bekannt. Da hilft meistens nur eine Taverne.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ... es galt früher zu kommen als der Bus. Ein Moped musste gemietet werden.

      Löschen